Aluleiter

21. Januar 2008

„Nicht das die Leiter wieder heraus fällt“, wurde der Dialog von einem Kollegen angefangen.

I: „Warum?“

K: „Letzte Woche, da warst du glaub ich nicht dabei, fuhren wir über eine Kreuzung. Plötzlich gab das Auto hinter uns heftig Lichthupe und wir hielten an. Der Fahrer erinnerte uns daran,  dass wir auf der Kreuzung eine Aluleiter verloren hätten. Wir sahen nach hinten, da sahen wir auch schon einen Maler, der die Leiter von der Strasse aufnahm und in sein Auto lud.

I: „Aha, wie kann eine 2,5m lange Aluleiter ungemerkt vom Auto fallen?“

K: „Keine Ahnung.

Aha.

Umkleideraum

21. Januar 2008

 “Guten Tag„, wurde ich beim Montieren eines Kabelrohres erwischt, „wird hier alles neu gemacht?„. Keine Ahnung. Nein, wirklich nicht. Bis auf das Dach hatte ich schon eine Weile nichts mehr gemacht. Auf das Dach kommt die größte Photovoltaikanlage im Ort.

Heute sollte aber keine Solaranlagen montieren, sondern nur ein Schalter mit einer Lampe in einer Umkleidekabine installieren. Es war eine relativ kleine Umkleidekabine mit ca. 10 Spinten. Der Raum ist mit einer nach oben offenen Tür getrennt. Also nur die Tür und der Rahmen. Dahinter stand der Warmwasserspeicher – und obendrüber sollte die Lampe hin.

Es war rundherum nur ca. 50cm Platz in der ca. 2qm grossen Abtrennung. Also kam eine Leiter bei, mit deren Hilfe ich mich kunstvoll und gelenkig wie ein Walroß über den Türrahmen auf dem Warmwasserspeicher schwang. Dort saß ich also und durfte eine bestimmt Interessante Abwechslung sein.

Mein „Problem“ bei der ganzen Sache war, es war Feierabendzeit der 6:00 Uhr Schicht. „Isch mach jetzt Feierabend, hab dich hier noch gar nischt geseh´n.“, wurde ich freundlich gefragt. Ich erklärte, dass ich schon länger in der Firma arbeitete und es wohl nur ein Zufall gewesen sein muss, daß wir uns bisher noch nicht gesehen haben. „Iss ja net schlimm. Isch hab um 6:00 Uhr angefange un mach jetzt Feierabend. Wie lang musst du noch?„, jetzt viel mir ein, dass er mich die ganze Zeit duzte. Dass gefällt mir und lockert die Atmosphäre. „Noch etwa 2 1/2 Stunden“, antwortete ich.

Geht auch rum, gell?

„Ja. Geht auch rum.“

Tägliche Angst

21. Januar 2008

Ist es Angst vor dem ungewissen? Angst vor Mobbing? Angst vor Versagen?

Genau kann ich es nicht sagen. Am einfachsten würde ich es als Versagensangst und unnötiger Erwartungsdruck bezeichnen.

Wenn ich von manchen Kollegen an der Berufsschule höre, wie es ihnen im Betrieb zugeht, möchte ich mir manchmal selbst eine Ohrfeige geben. Um einfach mal zu kapieren, wie gut ich es im (Berufs-)leben habe.

Sicherlich gibt es in jedem Betrieb gewisse NoGo Kollegen. Mit manchen kommt man spitze aus, mit manchen weniger gut, manche aber widerrum, sind im ganzen Betrieb relativ unbeliebt. Man würde sie aber ganz besonders vermissen, wenn sie mal nicht da sind.

Entweder durch ihren Sturrkopf, ihre Weltansicht oder auch nur weil es die unbeliebtheit ist, die die restlichen Kollegen zusammenschweißt.

Zumindestens fällt es mir jeden Tag schwer, zur Arbeit zu gehen, weil ich oftmals „befürchte“, zu diesem einen Kollegen zu gehen.

Dabei ist es an vielen Tagen ein Kollege, mit dem ohne Probleme (wenn man ihn zu nehmen weiß) seinen Spaß haben kann.

Einstand

21. Januar 2008

Seit dem Beginn meiner Tätigkeit leide ich unter Angst vor dem nächsten Tag.

Ich fing in einem relativ kleinem Betrieb in meinem Nachbarort an. Dort fügte es sich, dass ich jeden Tag mit meinem Chef auf der Suche nach der nächstmöglichen Arbeit war. Er war ein Choleriker, sagte man mir, doch mir war es egal – Hauptsache Arbeit. Ich fing an zu arbeiten und lernte schnell die wichtigsten Tricks und Kniffe, so dass der Kunde den Pfusch nicht möglichst gleich merkte.

Es lief alles einigermaßen wunderbar und ich konnte nur den Kopf schütteln, über meine Informanten, die mir sagten, er sei ein Choleriker. Dann ging es ca. nach 1 Jahr los. Er erzählte mir tagtäglich, dass ich absolut pünktlich sein muss, obwohl er mich jeden Tag min. eine Stunde Überstunden machen ließ. Einmal tief durchatmen. Die 3 1/2 Jahre bekommst du rum.

So häufte es sich, dass er mit mir eine Installation in 3 Reihenhäuser übernahm. Ich war ziemlich geschockt, war diese Arbeit schon von einer grösseren Firma abgelehnt und ziemlich viel, für einen 2-Mann-Betrieb. Es wurde geschuftet und Überstunden gemacht. Immer und immer wieder. Bis ich an dem Verlust eines „wichtigen“ Teiles schuld war. Dann platzte mir der Kragen. Da ich schon 2 Monate auf mein Gehalt wartete, und ihn mit diesen Argumenten durch den ganzen Neubau anschrie, hatte ihm offenbar gefallen (?). Für den Rest von diesem Tag war er so freundlich wie noch nie.

Nur kamen diese Vorfälle nicht vereinzelt vor, sondern beinahe jeden Tag. Am Ende meldete ich mich öfter krank als ein normaler Mensch. Ich hatte Angst. Richtige Angst.

Zum Glück konnte ich mich nach langer Zeit von ihm trennen und übergangslos in eine neue, grössere Firma in meinem Ort übergehen. Dort habe ich, auch nach ca. 1 1/2 Jahren, immer noch Angst, zur Arbeit zu gehen.

Völlig ohne Grund. Mein „neuer“ Chef ist ein absolut, ja fast übermäßig, guter Chef. Wäre ich an seiner Stelle, wäre ich schon längst nicht mehr in der Firma.

Die Firma ist nicht der günstigste Betrieb im Ort, aber ein alt-eingesessener. Die Belegschaft geht quer durch alle Charaktertypen.

Und aus diesem Alltag, meine Alltagsängste und meine Erfahrungen möchte ich Euch, der „Welt“, als Stewart MacFancy* erzählen.

*Name von der Redaktion geändert. Ihr versteht…