Hätte der Onkel von einem Kunden vielleicht mal nicht so viel selber gemacht, hätten wir nicht kommen müssen und die fehlende N-Ader in der Schalterdose anschliessen müssen.
Selbst dass „hab ich mit einem Stift überprüft, hat Lämpchen geleuchtet“ war nicht zuverlässig, da diese Stifte stets eine Phase (die spannungsführende) „überprüft“. Ob ein N- oder PE-Leiter angeschlossen ist, weiß der Stift nicht und zeigt es auch nicht an.

Ein provisorisch angeschlossener Druckschalter im Wandschrank (Tür auf, Licht an), der in einer Bauhaus-Steckdose mittels flexiblem Kabel angeschlossen war, musste auch erneuert werden, da flexible Leitungen nicht zur Festinstallation erlaubt sind.

Aber zum Glück konnte die Familie auch bei weiteren Arbeiten sparen. Der Onkel kann nämlich auch Fliesen und Laminat legen, tapezieren sowie Strom- und Wasserleitungen verlegen.
Oft macht er ganze Zimmer stück für stück.

„So nebenbei, du verstehen?“

Zeitlos problematisch

13. Februar 2008

Es war wieder einmal kurz vor Feierabend. Ein paar Leitungen sollten vom Dach in die relativ kleine Produktionshalle eines Kunden.
Extra für diese Tätigkeit wurde eine fahrbares Gerüst geholt, mit dem man dann einfacher an die Decke kommt, um das Kabel zu holen. Nun musste, um die Kabel an der anderen Seite der Halle herunterzuholen, das Gerüst verschoben werden.
Alles klappte problemlos bis – KNACK! Ein lautes Knacken erfüllte die Halle und jedes Augenpaar war auf uns gerichtet. Auch das von Louis, dem passionierten Geschäftsführer. Oh nein! Nicht er auch noch. Der hatte uns in dieser Lage gefehlt. Es erwischte die „beliebte“ Uhr in der Produktionshalle, übrigens das Einzigste außer den Lampen an der Decke hängende Objekt. Und dass erwischten wir volle Breitseite.
Da Louis sowieso seinen Lieblings-Gabelstabler gerade bediente, zögerte er nicht lange und beschaffte einen Korb. Dieser wurde provisorisch mit 2 Schraubzwingen an den Gabeln festgezogen, da er ja eigentlich nicht für die Beförderung von Personen zugelassen war. Schnell fand sich auch schon ein „Opfer“, dass in den Korb zu der Uhr musste.
Dass die beiden Seiten der Uhr nur eingehängt waren, glaubte er natürlich nicht. Und vorher hing sie sowieso nicht so schief. Also wurde mit einer Zange gebogen, kurz vor dem Abbrechen der Befestigungs-Schrauben. Natürlich konnte es auch das die Uhr nicht gerade machen. Laut den Mitarbeiters war die Uhr schon immer so schief. Er glaubte es natürlich nicht.
Und dann war er weg.
Er erschien kurze Zeit wieder mit einer Schneider-Schere, zwei Klebebändern und einem Lappen. Ein Papierklebeband in weiß und ein Faserband in Grau (ähnlich der Farbe der Uhr). Die Uhr sollte, nachdem sie aufwändig mit dem Lappen gereinigt werden musste, sorgfältig mit Klebeband (weiß oben, 2x) und an den beiden Seiten sowie unten mit dem grauen Faserband zugeklebt werden.
Jetzt hat er den Feierabend immerhin um 45m. hinausgezögert mit seinen Extra-Wünschen. Die Uhr hatte übrigens zu keiner Zeit einen Aussetzer gehabt. Sie funktioniert wie eh und je… 

Louis de FunèsEr ist rüstige 79 und immer noch stiller Geschäftsführer seines Unternehmens. Obwohl, statt still könnte ich heimlich nennen. Denn noch immer schleicht er in der Fabrikhalle herum, und findet immer noch Personal, das er aufscheuchen kann.

Manche sagen, er wäre der Louis de Funès der Firma.

Nachdem er schon versucht hatte, auf dem Tisch der seiner Kreissäge, unglücklicherweise abgestelltes Werkzeug wegzuwerfen, leistete er sein Meisterstück erst ziemlich am Ende des Arbeitstages.

Beim Kabel auf Leitungsführungskanal verlegend ergibt sich folgender Dialog:

Er:  „So eine Arbeit kann doch unmöglich 1 Mann machen!“ (Ich gebe zu, die Kabel waren ziemlich schwer; 4×25mm2)
„Warte, ich hole eine Schraubzwinge!“

I: „?! – Nein, danke. Nicht nötig das geht schon so.“

Aber zu spät, er war schon weg. Bis er wieder da war, hatte ich bereits die zweite Leiter erklommen, die bisher nur zur Kabelführung (=Zugentlastung) diente. Kaum angekommen, schwingt er sich auf die sowieso nicht richtig fest-stehende Leiter mit seiner Schraubzwinge.
Er: „Da – nehm’.
I: „Aber ich habe doch Kabelbinder?“
Er: „Ach so…“ (und steigt die Leiter wieder herunter, da passiert aber was unvorhergesehenes: Er bemerkt, dass die Leiter nicht so richtig fest steht.
Halt dich mal oben fest
I: „WTF ?!“ (natürlich denkend, nicht ausgesprochen)
Kaum fertiggedacht, wackelte und bebte schon die Leiter. Ich oben drauf in ca. 2,5m Höhe. Neben mir Maschinen. Ich hatte Angst um meinen Feierabend. Werde ich gleich in´s Krankenhaus kommen? Oder macht er erst meine Arbeit fertig, bevor er einen Krankenwagen holt?
Er: „So. Jetzt steht die Leiter schon besser.
Puh – geschafft (hoffentlich geht er jetzt anderen Tätigkeiten nach) – aber falsch. Er setzte nochmal zu einem letzten Fixieren an („Halt dich mal oben fest„) und dann war er weg – so schnell und leise, wie er gekommen war.

Ich vermute, er arbeitet nach meinem Beenden der Arbeit noch weiter und testet die Arbeiten auf Funktion und Haptik…

Luftabzug

23. Januar 2008

„Äigentlisch hätte die olte jä noch funkschtioniert“, sagte er vor dem ersten Test mit einem Kollegen vor Weihnachten, nachdem die Dunstabzughaube in der Werkstatt überprüft worden ist. „Doa hätte nür noch´n Filter gefäält“ damit die Abzugshaube funktioniert. Der Kunde hatte aber nicht recht und wir durften eine neue Dunstabzugshaube installieren.

Die Montage lief relativ ereignislos ab, wenn man von den „Hinweisen“ des sächselnden, pasionierten Heimwerker mal absieht.

Die Holzklappe wollte er aber selbst montieren. Selbst ist der Mann…

Umkleideraum

21. Januar 2008

 “Guten Tag„, wurde ich beim Montieren eines Kabelrohres erwischt, „wird hier alles neu gemacht?„. Keine Ahnung. Nein, wirklich nicht. Bis auf das Dach hatte ich schon eine Weile nichts mehr gemacht. Auf das Dach kommt die größte Photovoltaikanlage im Ort.

Heute sollte aber keine Solaranlagen montieren, sondern nur ein Schalter mit einer Lampe in einer Umkleidekabine installieren. Es war eine relativ kleine Umkleidekabine mit ca. 10 Spinten. Der Raum ist mit einer nach oben offenen Tür getrennt. Also nur die Tür und der Rahmen. Dahinter stand der Warmwasserspeicher – und obendrüber sollte die Lampe hin.

Es war rundherum nur ca. 50cm Platz in der ca. 2qm grossen Abtrennung. Also kam eine Leiter bei, mit deren Hilfe ich mich kunstvoll und gelenkig wie ein Walroß über den Türrahmen auf dem Warmwasserspeicher schwang. Dort saß ich also und durfte eine bestimmt Interessante Abwechslung sein.

Mein „Problem“ bei der ganzen Sache war, es war Feierabendzeit der 6:00 Uhr Schicht. „Isch mach jetzt Feierabend, hab dich hier noch gar nischt geseh´n.“, wurde ich freundlich gefragt. Ich erklärte, dass ich schon länger in der Firma arbeitete und es wohl nur ein Zufall gewesen sein muss, daß wir uns bisher noch nicht gesehen haben. „Iss ja net schlimm. Isch hab um 6:00 Uhr angefange un mach jetzt Feierabend. Wie lang musst du noch?„, jetzt viel mir ein, dass er mich die ganze Zeit duzte. Dass gefällt mir und lockert die Atmosphäre. „Noch etwa 2 1/2 Stunden“, antwortete ich.

Geht auch rum, gell?

„Ja. Geht auch rum.“