Einstand

21. Januar 2008

Seit dem Beginn meiner Tätigkeit leide ich unter Angst vor dem nächsten Tag.

Ich fing in einem relativ kleinem Betrieb in meinem Nachbarort an. Dort fügte es sich, dass ich jeden Tag mit meinem Chef auf der Suche nach der nächstmöglichen Arbeit war. Er war ein Choleriker, sagte man mir, doch mir war es egal – Hauptsache Arbeit. Ich fing an zu arbeiten und lernte schnell die wichtigsten Tricks und Kniffe, so dass der Kunde den Pfusch nicht möglichst gleich merkte.

Es lief alles einigermaßen wunderbar und ich konnte nur den Kopf schütteln, über meine Informanten, die mir sagten, er sei ein Choleriker. Dann ging es ca. nach 1 Jahr los. Er erzählte mir tagtäglich, dass ich absolut pünktlich sein muss, obwohl er mich jeden Tag min. eine Stunde Überstunden machen ließ. Einmal tief durchatmen. Die 3 1/2 Jahre bekommst du rum.

So häufte es sich, dass er mit mir eine Installation in 3 Reihenhäuser übernahm. Ich war ziemlich geschockt, war diese Arbeit schon von einer grösseren Firma abgelehnt und ziemlich viel, für einen 2-Mann-Betrieb. Es wurde geschuftet und Überstunden gemacht. Immer und immer wieder. Bis ich an dem Verlust eines „wichtigen“ Teiles schuld war. Dann platzte mir der Kragen. Da ich schon 2 Monate auf mein Gehalt wartete, und ihn mit diesen Argumenten durch den ganzen Neubau anschrie, hatte ihm offenbar gefallen (?). Für den Rest von diesem Tag war er so freundlich wie noch nie.

Nur kamen diese Vorfälle nicht vereinzelt vor, sondern beinahe jeden Tag. Am Ende meldete ich mich öfter krank als ein normaler Mensch. Ich hatte Angst. Richtige Angst.

Zum Glück konnte ich mich nach langer Zeit von ihm trennen und übergangslos in eine neue, grössere Firma in meinem Ort übergehen. Dort habe ich, auch nach ca. 1 1/2 Jahren, immer noch Angst, zur Arbeit zu gehen.

Völlig ohne Grund. Mein „neuer“ Chef ist ein absolut, ja fast übermäßig, guter Chef. Wäre ich an seiner Stelle, wäre ich schon längst nicht mehr in der Firma.

Die Firma ist nicht der günstigste Betrieb im Ort, aber ein alt-eingesessener. Die Belegschaft geht quer durch alle Charaktertypen.

Und aus diesem Alltag, meine Alltagsängste und meine Erfahrungen möchte ich Euch, der „Welt“, als Stewart MacFancy* erzählen.

*Name von der Redaktion geändert. Ihr versteht…